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Kappus bildete Hunderte aus

Derzeit ist der Leiter des Posaunenchores Weisel wieder bei der Arbeit, um Nachwuchs für das Instrumentenspiel zu begeistern

Die Jungbläser bei der Probe
Paul-Gerhard Kappus macht die jungen Bläser mit ihren Instrumenten vertraut. Foto: Thorsten Stötzer

Als 22-Jähriger übernahm Paul-Gerhard Kappus bereits die Leitung des Weiseler Posaunenchores und hat diese noch heute inne. Der mittlerweile 64-Jährige hat mehr als 300 Bläsern das Spielen gelehrt. Derzeit ist er wieder dabei, sechs Kinder auszubilden.

WEISEL. "Das war ein sehr schönes B - das zieht mir fast die Schuhe aus", lobt Paul-Gerhard Kappus. Vor dem erfahrenen Chorleiter sitzen sechs Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren und üben die ersten Griffe auf Posaune, Tenorhorn oder Flügelhorn. Bestenfalls zum dritten Mal halten sie an diesem Tag solch ein Instrument bei einer Probe in der Hand.

Atemübungen und Schulungen mit dem Mundstück stehen auf dem Programm. Auch im Weiseler Pfarrheim ist noch kein Meister von der hellen Zimmerdecke gefallen. Doch Kappus macht seinen Schülern Mut. Als er in ihrem Alter war, hatte er übrigens schon eine solide musikalische Grundausbildung hinter sich. "Das lag in der Familie, denn schon mein Vater fungierte seinerzeit als Leiter des evangelischen Posaunenchors Weisel", sagt Kappus.

Zu Hause gab es außerdem ein Klavier, und das lernte der Sohn als Fünfjähriger zu spielen. Als er zwölf Jahre alt war, saß er dann an einer Kirchenorgel. 20 Jahre lang war Paul-Gerhard Kappus später in Kaub als Organist tätig. Noch in der Jugend besuchte er außerdem in Wuppertal einen Posaunenlehrgang und übernahm 1964 als 22-Jähriger den heimischen Posaunenchor vom Vater.

Dieses Amt hat der Weiseler bis heute inne. Nachdem er Anfang der 70er-Jahre in der Volkshochschule Bingen zudem sieben Semester Chorgesang studiert hatte, folgten weitere Aufgaben. Heute dirigiert er in seinem Heimatort den Frauenchor und in Eibingen den Männergesangverein. In Dörscheid kümmert er sich ebenso um die Geschicke der Sänger, 36 Jahre lang war er früher Chorleiter in Nastätten.

Derweil schlagen die sechs Nachwuchsbläser Seite 16 in ihren Lehrbüchern auf. Beredt und geduldig gibt Kappus im Dialekt der Heimat Erläuterungen und lässt sich von keinem schrägen Blechton aus  der Ruhe bringen. Von Violinschlüsseln, Hilfslinien und Viertelnoten ist die Rede. Nache einer Weile holt der Lehrer sein eigenes Tenorhorn aus einem Einbauschrank.

Etwas mehr als die halbe Tonleiter beherrschen die Kinder nun schon ganz passabel. "Damit kann man schon Hänschen Klein spielen", ermuntert sie Kappus  und staunt, wie motiviert die Anfänger sind. In der Adventszeit werden sie einige Weihnachtslieder mitblasen können hofft er. Schätzungsweise 300 junge Leute hat der 64-Jährige im Laufe der Zeit in dieser Weise ausgebildet.

Die Musik zu seinem Beruf zu machen, war Kappus jedoch nicht vergönnt. "Das war damals eine Geldfrage", erinnert er sich. So verdiente er erst als Bergmann, dann als Dreher und schließlich bei der Post in Rüdesheim den Lebensunterhalt für sich und seine Familie. Oft ist er aber mit seiner Schwester, Renate Zimmer, bei Volksfesten aufgetreten. Als Gitarren- und Gesangsduo haben sie mit Schlagern unterhalten und sogar bei Peter Frankenfeld vorgespielt. "'Die kleine Bimmelbahn' war unser größter Erfolg", berichtet er. Noch heute schreibt er Medleys und Stücke selbst und brachte zuletzt ein Rheinsteig-Lied zu Gehör (wir berichteten). Die Musik lebt übrigens in der Familie weiter. Der 33 Jahre alte Sohn Timo ist als kommender Dirigent des Weiseler Posaunenchors im Gespräch - das wäre dann die dritte Generation aus einem Haus, die den Bläsern die richtigen Töne beibringt.

Thorsten Stötzer

Quelle: Rhein-Lahn-Zeitung, 30.05.2007