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Südkoreaner begeisterten

Bei Loreleylied applaudierte Publikum frenetisch

Mehr als nur eine flüchtige Bekanntschaft ist mittlerweile die Verbindung zwischen dem evangelischen Posaunenchor aus Weisel und dem Halla Boys Chor aus Südkorea. Gemeinsam gaben sie in der Weiseler Turnhalle ein außergewöhnliches Konzert.

Posaunenchor und Halla Boys Chor
Humorist und Dirigent Paul-Gerhard Kappus machte es vor, "Anton, Anton", und die Jungs mit den bayerischen Hüten machten fröhlich mit. Foto: Schmiedel

WEISEL. Der Halla Boys Chor aus Südkorea hat auf seiner diesjährigen Europatournee auch in Weisel Station gemacht und das Publikum im voll besetzten Saal regelrecht in Verzückung versetzt. Nach Konzerten in Moskau, St. Petersburg und Prag, wo auch eine CD produziert wurde, führte sie der Weg direkt nach Weisel. Hier sind der Knabenchor und seien Betreuer "alte Bekannte", denn es ist mittlerweile der vierte Besuch der Gruppe, dem im Zweijahresrythmus eben so viele Gegenbesuche des Gastgebers, dem evangelischen Posaunenchor 1922 Weisel, zu den Jeju Summer Band Festivals gegenüberstehen. Die Verbindung entstand durch Joong Heon Yoon, der als Posaunist im Weiseler Posaunenchor spielt. Benannt ist der südkoreanische Chor, bestehend aus Schülern der Klassen vier bis sechs verschiedener Schulen, nach dem höchsten Berg ihrer Heimat, der Insel Jeju südlich des Festlandes.

Eine Insel etwa von der Größe Mallorcas, wie Andreas Schmelzeisen sie in seiner Moderation aus eigener Anschauung beschrieb. Da wundert es nicht, dass der Saal rappelvoll war, wenn solche Freunde im Ort sind, die dazu noch ein Chorkonzert geben, das so hörens- und sehenswert ist.

Posaunenchor begann

Den Auftakt aber machte der Posaunenchor - allerdings mit nur drei Stücken, denn das Publikum wartete natürlich auf den Halla Boys Chor. In langer Reihe betraten die jungen Sänger die Bühne, orangefarbenes Jackett, weißes Hemd, schwarze Fliege, schwarze Hose, ganz Gentlemen. 42 Knabenstimmen zählt der Chor, glockenklar, raumfüllend. Dirigent Song Buk Ahn entlockt sie den Jungen, steuert sie förmlich, lässt sie zur Hochform auflaufen.

Eine Stimme fällt immer wieder auf, die von Jun Bon Ahn, einer Trompete gleich singt er aus Herzenslust vom linken Flügel her zum Tastenspiel von Gun Ju Kang, der Pianistin.

Alles haben sie drauf, die kleinen Sänger mit den großen Stimmen, internationale Medleys, Gospel, koreanische Lyrik, Kinderlieder, Pop, Volkslieder. Nur die Hände des Dirigenten geben das Tempo vor, die Blicke der Jungen fest auf ihn gerichtet, kommen die Töne klar und präzise - "Rhythm of the Rain", "Welcome to my World", "La Bamba" aus Mexiko, "Do Di Ri" aus Israel, "Odolddog" aus ihrer Heimat, und vieles mehr bis zur Pause.

Den zweiten Teil eröffnete eine wunderbare Stimme: Sopran von Yeo Eun Jung, italienische Arien, leider nur zwei, am Klavier wieder Gun Ju Kang. Das Publikum lauschte still und zeigte seine Begeisterung dann aber in frenetischem Beifall. Die Mundharmonika war danach das Instrument des Knabenchors mit "Moon River", vollkommen synchron.

Nicht nur dafür, sondern auch für die in deutscher Sprache vorgetragenen Lieder "Muss i denn...", "Wenn ich ein Vöglein wär...". Beim Loreleylied hielt das Publikum nichts mehr auf ihren Sitzen, "Standing Ovation" minutenlang, dabei hatten die Jungen am Nachmittag gerade mal eine Stunde Zeit, die Intonation in Deutsch einzuüben. Eine Hommage an den Gastgeber. Längst hatte Oliver Kappus das Mikrofon von Andreas Schmelzeisen übernommen und führte durch das Programm, zum Teil in einwandfreier koreanischer Sprache, wie von den Gästen aus Fernost bestätigt wurde.

Großes Finale

Halla Boys Chor
Vier Mal kam der Halla Boys Chor aus der südkoreanischen Provinz Jeju-Do, einer Insel südlich des Festlandes, bereits nach Weisel. Halla ist der höchste Berg dieser Insel, wonach sich der Chor aus Schülern der Klassen vier bis sechs verschiedener Schulen benannte. Den Kontakt stellte Joong Heon Yoon, Posaunist im Weiseler Posaunenchor, her. Inzwischen gab es vier Gegenbesuche, jeweils zu den Jeju Summer Band Festivals. Am Smstagabend gestalteten Knabenchor und Posaunenchor ein gemeinsames Konzert in der Weiseler Turnhalle, das seinesgleichen sucht.

Einen weiteren Höhepunkt kündigte er gegen Ende des Chorkonzerts an, nämlich eine Kombination des Posaunenchores mit dem Halla Boys Chor. Der Weiseler Dirigent, Paul-Gerhard Kappus, hatte natürlich eine Spaßeinlage geplant. Gerade waren die ersten Töne zu "Anton, Anton" erklungen, winkte er mit beiden Armen ab, zeigte auf die Jungen auf der Bühne, woraufhin Andreas Schmelzeisen und Oliver Kappus einen großen Karton auf die Bühne schleppten. Jedem der Jungen flog nun ein bayerischer Filzhut entgegen, und mit diesem Kopfschmuck zeigten sie, dass sie nicht nur einmalig gut singen können, sondern ganz normale Jungs sind, die auch toben und sich freuen können.

Blumen für die Damen, Weinpräsente für die Herren, und die tiefen Verbeugungen auch vom Vorsitzenden des Chores, Kyong Yong Oh und des Präsidenten Hyeong Kue Kim, entsprangen nicht nur fernöstlicher Höflichkeit, sondern großer Freude über dieses so hervorragend gelungene Konzert.

Norbert Schmiedel

Quelle: Rhein-Lahn-Zeitung, 16.01.2006