Zum Inhalt
Zur Navigation

Ein Bekenntnis mit 100 Instrumenten

Dekanatsbläsertag in Bornich: Die harte Probenarbeit wurde mit 450 Besuchern und einem unvergesslich vollen Klangerlebnis belohnt

Mit seinen 95 Thesen hat Martin Luther Anfang des 16. Jahrhunderts den Blick der Menschen auf das Wort Gottes gelenkt. Dieses wurde jetzt bei einem musikalischen Gottesdienst zum Abschluss des Dekanatsbläsertages in Bornich in einen faszinierenden Blechbläserklang gepackt, von dem sich rund 450 Besucher am Reformationstag beeindrucken ließen.

Dekanatsbläsertag in Bornich
100 Blechbläser sorgten im Gemeindezentrum von Bornich unter der Leitung von Dekanatskantor Markus Ziegler für ein für sie selbst und die Besucher unvergessliches Erlebnis. Fotos: Bernd-Christoph Matern

BORNICH. Solch einen Gottesdienst hat es im Rhein-Lahn-Kreis schon lange nicht mehr gegeben: Mehr als 100 Bläserinnen und Bläser legten zum Ende des Reformationstages im Bornicher Gemeindezentrum ein tönendes Bekenntnis zum Glauben ab. Der Dekanatsbläsertag vereinte neun Posaunenchöre aus dem evangelischen Dekanat St. Goarshausen zu einem fulminanten Klang, dem sich Hunderte Besucher mit Gesang anschlossen.

Schon am Morgen hatten die Musiker mit den gemeinsamen Proben begonnen, um den Besuchern des musikalischen Gottesdienstes am Nachmittag ein beeindruckendes Reformationsfest zu bescheren. Mit dem Titel von Martin Luthers wohl bekanntestem Lied "Ein feste Burg ist unser Gott" war die kirchenmusikalische Feier überschrieben.

Der majestätische Klang der mehr als 100 Instrumente auf der Bühne verstärkte den Gedanken der Reformation auf ganz einmalige Weise. Werke für Bläser aus verschiedenen Epochen und Ländern hatte Dekanatskantor Markus Ziegler für den Gottesdienst ausgewählt, sowohl für die Vorspiele und Begleitung der Choräle als auch für die Instrumentalwerke ohne Gesang. Der volle Blechbläserklang stand dem bekannten, prächtig feierlichen "Prince of Denmark's March" von Henry Purcell ebenso gut wie der "Dorischen Intrade" von Magdalene Schauß-Flake oder dem mit Pauke verstärkten Vorspiel Manfred Schlenkers zum Choral "Ist Gott für mich, so trete", in dem das Riesenorchester rhythmischen Verve entfaltete. Im Begleitsatz von Markus Ziegler machte das Mitsingen - nicht nur an dieser Stelle - noch einmal so viel Freude.

Für die vier Strophen von Luthers Bekenntnislied "Ein feste Burg" hatte Kantor Ziegler mit den Musikern gleich drei unterschiedliche Vorspiele aus dem 17. und dem 16. Jahrhundert einstudiert.

An die Reformation wurde auch im gesprochenen Wort erinnert. Pfarre Wilhelm Wegner von der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Darmstadt warnte davor, dass nur noch zählt, was durch die Rechnungsbücher geht und erinnerte an den Grund fürs Leben, den Jesus Christus gelegt hat. Christen würden nicht durch Konsum und Wachstum glücklich. "Mit weniger Tempo kommen wir weiter, mit 'Entschleunigung' schneller ans Ziel", verglich Wegner das Leben mit dem Spieltempo, das ein Orchester in einer Kathedrale anschlagen müsse, um den Nachhall auszugleichen. Wegner: "Mit dieser Nachhall(t)igkeit lasst uns leben."

Am Sonntagmorgen hatten die 100 Musiker erstmals gemeinsam geprobt, was jeder Chor zuvor allein einstudiert hatte. Neben Markus Ziegler wirkte dabei auch der Leiter des Bornicher Posaunenchores, Gerhard Eschborn, mit. Der Arbeit in zwei Gruppen - vor allem fürs Einstudieren der doppelchörigen Werke - folgte das gemeinsame Mittagessen, eine Generalprobe und auch viel Zeit für den Austausch unter Bläsern. Das Gefühl der Gemeinsamkeit war denn auch die schönste Erinnerung des Tages, die die Musiker mit nach Hause nahmen und von der sie im Klang auch den 450 Besuchern reichlich abgaben.

Bernd-Christoph Matern

Wörtlich

"Es war stressig, aber das Gemeinschaftserlebnis war einmalig."
Helmut Singhof, Posaunenchor Nastätten

"Das war ein sehr lehrreicher Tag, und das Volumen, wenn die ganze Gruppe spielt, rief Gänsehaut hervor."
Rolf Steeg, Posaunenchor Welterod

"Ich bin begeistert - ein rundum gelungener Tag; das könnte man noch einmal in einer Kirche wiederholen."
Klaus Rörsch, Posaunenchor Weisel

"Schön, sich mal austauschen zu können. Trotz Anstrengung: Es hat viel Spaß gemacht."
Susanne Egert, Posaunenchor Obertiefenbach

"Für mich das Tollste: Gemeinschaft in Gespräch und Musik zu erleben."
Paul-Gerhard Schupp, Posaunenchor Bornich

Quelle: Rhein-Lahn-Zeitung, 03.11.2004