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Jubelstürme tosten für die Trachten-Texaner in Weisel

Musikalische Brücke zwischen Deutschen und Amerikanern geschlagen

Ein Blick in die Weiseler Turnhalle
Ein proppenvoller Saal erwartete die Gäste aus Amerika in Weisel - bei allerbester Stimmung. Foto: Thorsten Stötzer

WEISEL. Beim "Prosit der Gemütlichkeit" und dem Vers vom "Branndewei'" merkt man Mike Barker noch etwas an, dass er aus Houston in Texas kommt. Seine Jodeleinlagen gehen ihm aber so flüssig über die Lippen, dass das Publikum in der gut gefüllten Weiseler Turnhalle begeistert ist. Schlag auf Schlag legen die sechs amerikanischen Musiker von "Alpenfest" nach: Alphörner kommunizieren miteinander, Barkers elfjähriger Sohn Mathew bringt eine ganze Batterie Kuhglocken mit flinken Händen zum klingen.

"Bravo"-Rufe und Jubelstürme des kundigen Publikums belohnen den Auftritt. Besonders beim Lied "Mein Hut der hat drei Ecken" staunen auch gestandene Weiseler Posaunisten über das Können der Gäste aus Übersee. Dabei ist jedem klar: Die Sechs im Trachten-Look sind professionelle Musiker, teilweise spielen sie in Symphonie-Orchestern. "Alpenfest" dient ihnen als schönes Hobby. Rund zehn Tage lang weilen sie nun in der Verbandsgemeinde Loreley, nicht zum ersten Mal, wie Organisator Theo Dillenberger berichtet: "Seit 1995 kennen wir uns, damals stand der Kultursommer Rheinland-Pfalz unter dem Motto 'Nachbar Amerika'." So tritt die Band schon zum vierten Mal in Weisel auf.

Die Zuhörer sind übrigens zumindest sprachlich ein buntes Volk, denn viele Amerikaner, die "Alpenfest" bei einer Tournee kennengelernt haben, sind mit über den Atlantik gereist. So mischt sich Englisch mit Weiseler Platt. Theo Dillenberger macht sich als Dolmetscher verdient.

Die Musik braucht hingegen keine Übersetzung, sie bildet eine eigene allgemein verständliche Sprache.

Dies wird auch deutlich, als der evangelische Posaunenchor Weisels aufspielt. Paul-Gerhard Kappus dirigiert mit aller Energie seine Bläser, ein Zyklus "verträumter Melodien" stimmt besinnlich, an anderer Stelle wird eifrig mitgeklatscht. Lieder wie "The Yellow Rose of Texas" oder "Dancing Queen" schlagen wieder den Bogen zu den Amerikanern.

"Als Freunde kamen wir, als Freunde gehen wir" - so treffend lautet der Text in einem der Lieder die dann die "Kappus-Chöre" singen. Dahinter verbergen sich der MGV Nastätten, der Frauenchor Weisel und der gemischte Chor Dörscheid. Zumindest in Weisel spürt niemand, dass die politischen Beziehungen zwischen den USA und der Bundesrepublik derzeit belastet sein könnten, fröhlich wird bei Weizenbier und Wein vom Rhein gefeiert. Die Turnhalle zieren neben Lichterketten auch die Fahnen der Länder.

Zur guten Laune trägt auch Oliver Kappus bei, der sich mit einem lustigen Lied als der "Blumenmann" oder "Flower-Boy" vorstellt. Zusammen mit seinem Bruder Timo und Ronny Dillenberger animiert er die Besucher bei einem anderen spaßigen Gesang auch zum Mitmachen. Später treten die "Singenden Feuerwehrmänner" auf, ein sehr flexibler Teil der Weiseler Wehr. "Alpenfest" zeigen dann mit Country-, Western und Tanzmusik, dass sie vielerlei musikalische Metiers beherrschen. Lange noch unterhalten sie die Menschen im Saal. Ein Prosit der Gemütlichkeit!

Thorsten Stötzer

Quelle: Rhein-Lahn-Zeitung, 30.06.2003