Zum Inhalt
Zur Navigation

Lebhafte Klänge rissen Zuhörer mit

Koreanische Saxophonstudenten gaben in Weisel ein Konzert - Lang anhaltenden Beifall, Bravorufe und Pfeifen eingeheimst

Zuhörer in der Andreaskirche
Die Zuhörer waren in der evangelischen Kirche von Weisel aus dem Häuschen. Foto: Bröder

Wieder einmal hatte Joong-Heon Yoon aus Weisel zusammen mit dem Evangelischen Posaunenchor Weisel den Kontakt zu Musikern aus Korea hergestellt. Zwei Dutzend junge Saxophonisten aus dem fernen Osten begeisterten jetzt in der evangelischen Kirche von Weisel.

WEISEL. Während mit dem Halla Boys Choir im vergangenen Jahr ein Knabenchor aus dem koreanischen Jeju in Weisel gastierte, hatten sich dieses Mal zwei Dutzend junge koreanische Saxophonisten in der Andreaskirche zu einem Konzert eingefunden - das Korean Saxophone Ensemble.

Die musikalische Leitung hatte Dae Woo Kim. Aus dieser großen Bestzung war außerdem das aus vier Frauen bestehende EVE Saxophone Quartett gebildet worden. Es bestritt eigenständig den ersten Teil der Aufführung.

Quartett leitete Konzert ein

Das Quartett leitete das Konzert mit "Andante und Scherzetto" von Pierre Lantierein und demonstrierte damit, dass das Saxophon nicht nur ein Instrument für das Tanzorchester und die Unterhaltungsmusik ist, sondern, dass es heute auch anspruchsvolle Aufgaben im Konzert übernimmt.

Der erste Satz mit ruhig fließenden Melodien und zarten fast intim und meditativ wirkenden Klängen erweckte ruhige Bilder im Zuhörer, der zweite war lebhaft und munter, wie es eben einem Scherzo zukommt. Beiden Stimmungen wurden die vier Saxophone (Sopran, Alt, Tenor und Bariton) gerecht. Die Interpretationen ernteten für ihren Vortrag starken Beifall.

Es ging mit Kompositionen von George Gershwin und dem argentinischen Komponisten und Bandoneonspieler Astor Piazolla weiter. Besondere Beachtung verdient die Komposition "Nightclub 1960" von Piazolla. Obwohl von vier Saxophonen gespielt, glaubte der Zuhörer doch die hellen und manchmal schrillen Stimmen des Badoenons gleichsam mitzuhören. Trotz der für diese Komposition Piazollas ungewöhnliche Besetzung stellte das Stück einen musikalischen Genuss ersten Ranges und ein Highlight der Veranstaltung dar.

Den zweiten Konzertteil bestritt das Korean Saxophone Ensemble mit Werken von Jules Massenet, Lennie Niehaus, Jerome Kern, George Gershwin, Anton Parera und Dae Woo Kim. Abgesehen von Massenets Ouvertüre zur Oper Phädra, handelte es sich bei den Stücken um Musik aus Musicals und um Tanz- und Unterhaltungsmusik. Diese Zuordnung bedeutet aber überhaupt keine Abwertung. Im Gegenteil, die Musiker boten Unterhaltung im besten Sinne.

Klangcharakter änderte sich

Durch den Wechsel von der Quartettgruppe zu einem Orchester, in dem jede Stimme mehrfach besetzt war, änderte sich allerdings nicht nur die Lautstärke, sondern auch der Klangcharakter. Der Klang der Instrumente wurde voluminöser, aber auch schwammiger und uniformer, war aber immer noch effektvoll. Den Besuchern gefielen Titel wie "Smoke gets in your Eyes" von Jerome Kern, "El Capeo" von Anton Parera oder das "Latin Pop Medley" von Dae Woo Kim außerordentlich gut. Das gaben sie den Künstlern durch lang anhaltenden und starken Beifall und sogar durch Bravorufe und Pfeifen zu verstehen.

Für das Konzert war kein Eintritt erhoben worden. Allerdings konnte, wer wollte, der "Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung im Rhein-Lahn-Kreis" in Singhofen eine Spende zukommen lassen. Das taten die Besucher, die mit den musikalischen Darbietungen überaus zufrieden waren, dann auch gerne und reichlich.

Karl-Heinz Wolter

Quelle: Rhein-Lahn-Zeitung, 15.02.2003